Station 1: Marienanlage
Die Marienanlage wurde von Carstenn als Pendant zur ursprünglich auch viereckigen Schilleranlage angelegt und geht vermutlich auf eine ehemalige Tongrube zurück. Da der kleine See zu verlanden drohte, wird heute das Oberflächenwasser des Neubaugebiets Husarenhof dort eingeleitet.
Station 2: Nöpps – Alter Standort der Kita Marienkäfer
Die Kita Marienkäfer wurde an seinem alten Standort Nöpps 2 bundesweit bekannt, nachdem Anwohner gegen die Lärmbelästigung klagten und schließlich einen jahrelangem Rechtsstreit gewannen.
Die Einrichtung war ursprünglich aus einer Elterninitiative entstanden, da es zu wenig Kitaplätze gab.
Laut Anwohnern ging es weniger um den Kinderlärm sondern um den Autoverkehr der bringenden und abholenden "Eltern-Taxis". Ein neuer Standort am Zikadenweg wurde 2008 gefunden, doch auch dort gab es bereits vor dem Umzug Beschwerden, sodass eine Lärmschutzwand errichtet wurde. Zur Grundsteinlegung erschien sogar die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen. Der Fall führte 2011 zu einer bundesweiten Gesetzesänderung: Kinderlärm gilt seither nicht mehr als schädliche Umwelteinwirkung, wodurch Klagen gegen Kitas und Spielplätze ausgeschlossen wurden.
Der Name „Nöpps“ geht auf zwei Flurstücke zurück – den Vordersten und den Hintersten Nöpps. Noch 1914 befanden sich hier Gärtnereien, die neben Blumen auch exotische Pflanzen wie Zitrusgewächse, Palmen und Orchideen zogen. Obwohl in Marienthal ein Gewerbeverbot herrschte, waren Gärtnereien erlaubt.
Station 3:
Ehemaliges Wohnhaus des Boogie Pianisten Vince Weber
In dem Gebäude Oktaviostraße 16, das lange leer stand und inzwischen aufwändig entkernt und renoviert wurde, lebte früher der berühmte Boogie-Pianist Vince Weber.
Zum Gehölz:
Das Gehölz ist ein Rest eines einst riesigen Waldgebiets im Osten Hamburgs. Das sächsische Wort „Ham“ bedeutet unter anderem „Wald“ und findet sich auch in Bezeichnungen wie Hamm oder Hammaburg wieder. Die Teiche im Gehölz stammen von einer alten Ziegelei in Groß Jüthorn und wurden später von Schimmelmann landschaftlich gestaltet.
Als Carstenn vor etwa 150 Jahren begann, den frei zugänglichen Schlosspark zu parzellieren, formierte sich Widerstand in der Bevölkerung. Eine frühe Bürgerinitiative setzte sich für den Rückkauf der Gehölzteile ein, obwohl sich die Fleckenverwaltung dadurch hoch verschuldete. Bei einer Versammlung der Grundbesitzer wurde schließlich sogar der Rückkauf des vierten Gehölzteils beschlossen, obwohl zunächst nur die ersten drei Gehölzteile gerettet werden sollten. Der Wald blieb erhalten und bildet bis heute ein wichtiges Naherholungsgebiet. Früher gab es dort Stände mit Erfrischungen sowie Pavillons mit romantischen Namen wie „Tempel der Ruhe“ oder „Waldhaus der Einsamkeit“. Auch die Wege trugen poetische Bezeichnungen wie „Gang der Müden“ oder „Gang der Erquickten“.
Station 4: Groß Jüthorn
Groß Jüthorn war ein beliebtes Ausflugsziel für Hamburger. Das Gelände beherbergte ein Hotel, ein Gartenlokal, eine Freilichtbühne und sogar eine Radfahrerbahn. Einige Gäste kamen im Sommer zur Kur. Hinter dem heutigen Spielplatz waren vor einiger Zeit Bodenfliesen des ehemaligen Gasthauses sichtbar, mittlerweile sind sie unter der Erde verschwunden. Der Name Jüthorn geht auf einen Bauernhof zurück; „Jett“ bedeutet Ziege oder junges Rind. Die Gaststätte bestand bis 1938.

In Groß Jüthorn ist was los: Zwischen 1910 und 1915 trat dort die Artistin Elvira Wilson an einem HeißLuftballon hängend auf.
Achtung: dieses wurde aus einer historischen Aufnahme des Heimatmuseums Wandsek erstellt und enthält veränderte Aufnahmen eines realen existierenden Ereignisses/ Orts.
Station 5: Zentrum Marienthals
Im Zentrum Marienthals befanden sich die Milchhandlung Timmann, die um 1850 entstand, sowie das Café Martens, das 1909 gegründet wurde und nach dem Krieg als familiengeführter Edeka bis 2002 weiterbestand. Wegen des Gewerbeverbots lag der Eingang zu dem Ladengeschäft ursprünglich hinter dem Gebäude.
Station 6: Villa Kapitän Max Prager Kielmannseggstraße 98
Die Villa wurde 1905 erbaut. Der Sohn des Kapitäns Max Prager berichtete später als Zeitzeuge von den Wohnräumen seines Vaters, den Dienstmädchen und den Hühnern im Garten.
Siehe auch Eine Villa in Marienthal
Station 7: Hotel Marienthal
Das 1870 errichtete Hotel war ein Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft. Für die Gäste wurde der sumpfige vierte Gehölzteil trockengelegt und mit Spazierwegen versehen. Seit 1869 führte eine Pferdebahn von Wandsbek nach Groß Jüthorn, und der Hotelbetreiber sorgte dafür, dass eine Abzweigung direkt zum Hotel führte.
Die Bahn wurde wegen ihrer Langsamkeit als „Pferdebimmelbahn“ oder „Marienthaler Express“ verspottet und 1922 als letzte Pferdebahn Hamburgs eingestellt.
Die Marienthaler ließen sich damals mit der Pferdebahn (lange vor dem Rewe-Lieferservice und Amazon) mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs beliefern.
Gedicht zum "Marienthal-Express":
In Wandsbek ist's gemütlich - wohl auf der Pferdebahn
das eine Pferd, das zieht nicht - das andre Pferd ist lahm
der Kutscher ist besoffen - die Deichsel die ist krumm
und alle 5 Minuten, da fällt die Kutsche um
Später nutzten die Reichardt-Schokoladenwerke das Hotel-Gebäude als Wohnheim für ihre Mitarbeiterinnen. 1917 übernahm die Stadt das Haus und richtete ein Altenheim ein. Nach der Zerstörung im Krieg entstand dort das Gemeindehaus der Christuskirche.
Station 8: Ehemaliges SC Concordia Stadion
Hier war früher ein "Sonnenbad", der Verein zur naturgemäßer Gesundheitspflege von 1884 besaß das Grundstück mit Kneipp-Becken, Gastronomie und einer Wiese für Ballspiele.
Die hüllenlose Luft- und Sonnenbäder erfolgten streng nach Geschlechtern getrennt.
1924 wurde das Stadion eröffnet. In den 1950er Jahren spielte der SC Concordia in der Oberliga und war die drittstärkste Kraft im Hamburger Fußball. 1952 kamen über 14.000 Zuschauer zu einem Spiel gegen den HSV. Das Stadion erhielt 1957 als erstes in Hamburg eine Flutlichtanlage.
2009 wurde das Stadion geschlossen und direkt an der Oktaviostraße mit Wohnhäusern bebaut. Der hintere Teil des Geländes wurde auf Wunsch einer Bürgerinitiative renaturiert. Zwischenzeitlich wurde das Areal zur Flüchtlingsunterbringung genutzt.
Die Tribünen des Stadions bestanden aus Trümmern des im Krieg zerstörten Hotels Marienthal, die über eine Lorenbahn durchs Gehölz transportiert wurden.
2017 beim Abtragen der Tribünen wurden Säulen gefunden, die von einem älteren Anwohner in der Oktaviostraße eindeutig dem alten Hotel Marienthal zugeordnet wurden.

Station 9: Max-Schmeling-Stadtteilschule
Die frühere Haupt- und Realschule Holstenhof sollte vor einigen Jahren geschlossen werden, doch Eltern setzten sich erfolgreich für den Erhalt eines kleineren Schulstandorts ein. Die Schulen Holstenhof und Denksteinweg wurden zur Max-Schmeling-Stadtteilschule zusammengelegt. Namensgeber ist der Boxer Max Schmeling, der in Eilbek aufwuchs und als fairer Sportler ein Vorbild für Jugendliche gilt. Gegenüber stehen Häuser der Genossenschaft "Hamburger Lehrerbauverein".
Station 10: Gymnasium Marienthal
Das Gymnasium Marienthal war die erste deutsche Schule mit einem deutsch-chinesischen Zweig, da im Hamburger Osten viele chinesische Familien leben. Bis heute ist es die einzige Schule mit einem solchen Angebot ab der 5. Klasse.
Auf dem Schulhof steht ein Klettergerüst in Form eines chinesischen Drachen.
Auf der anderen Straßenseite beginnt bereits Jenfeld, welches einst unter russischer Kontrolle stand. Jenfeld gehörte früher zum Haus Schleswig-Holstein-Gottorf. Nach dem Großen Nordischen Krieg fiel dieser Besitz an Russland, und die Jenfelder Bauern erhielten bis 1773 ihre Anweisungen aus Moskau. Zar Peter der Große nahm den berühmten begehbaren Gottorper Globus als Kriegsbeute mit nach Russland. Durch Heiratsverbindungen entstanden die Romanow-Gottorp-Zaren.
Wandsbek selbst war von 1773 bis 1864 dänisch; die heutige Autobahn markierte die damalige Landesgrenze.
Station 11: Neubaugebiet Zikadenweg
Wie beim Husarenhof war das Ziel, Familien in Hamburg zu halten. Die Kita Marienkäfer fand hier ihren neuen Standort, ergänzt durch eine Lärmschutzwand.
Zwischen 1835 und 1848 fanden auf einem Gelände, was heute vom Osterkamp bis zum Elfsaal reichen würde, Pferderennen statt, die deutschlandweit bekannt waren und bis zu 50.000 Zuschauer anzogen.
1848 kam es auch in Schleswig-Holstein zu Aufständen und der pro-deutsche Herzog von Augustenburg wurde des Landes verwiesen, er war ein großer Förderer des Rennsports gewesen. Die Hamburger nutzten die Gelegenheit, eigene Rennbahnen zu errichten – zunächst in Lokstedt, später in Horn.
Ab 1884 nutzten die Wandsbeker Husaren das Gelände als Exerzierfeld.
1890 erwarb das Rauhe Haus den östlichen Teil und errichtete dort den Holstenhof mit Erziehungshaus und Stallungen.
Später wurde das Hauptgebäude von der Stadt übernommen und diente als Altersheim, Waisenhaus und Schule.
Seit 1950 ist es Teil eines Pflegezentrums.
Der SC Concordia hatte hier 1907 sein erstes Fußballfeld.
Ab 1909 wurde der westliche Teil der Rennbahn als Flugfeld verwendet, in den 30er Jahren wurde der Bereich südlich
der Autobahn von einer Segelflugschule genutzt. Um nach dem Autobahnbau dorthin zu gelangen, wurde der Fußgängertunnel gebaut, der heute noch vom Gebiet nördder Autobahn zum Aladinweg führt.
Ab 1932 entstand nördlich der Rodigallee die Straßenbahnersiedlung, südlich davon ab 1935 die Donaumont-Kaserne, später die Hochschule der Bundeswehr und heute die Helmut-Schmidt-Universität.
Station 12: Krankenhaus
Das Krankenhaus wurde 1888 mit mehreren Pavillonbauten eröffnet und diente in den 1950er Jahren als Kinderklinik. 1961 entstand das heutige Hochhaus, das ab 1975 als Allgemeines Krankenhaus Wandsbek betrieben wurde. 2004 wurde es trotz eines ablehnenden Volksentscheids privatisiert und gehört seitdem zu Asklepios. Das Krankenhaus ist Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg und zählt zu den Einrichtungen mit den meisten Notfallaufnahmen der Stadt.
Station 13: Klein Jüthorn
Klein Jüthorn war seit dem späten 18. Jahrhundert eine beliebte Gaststätte, die häufig von Vereinen genutzt wurde. Zwischen 1954 und 1963 befand sich dort das Kino „Jüthorn-Lichtspiele“. Seit 1925 führten die Straßenbahnschienen auf der südlichen Seite entlang der Rodigallee Richtung Jüthorn. 1954 erfolgte die Verlängerung von Jüthorn bis nach Jenfeld.
Station 14: Gehölzweg 16 – Bruno Gröning
In der Nachkriegszeit hatte der sogenannte „Wunderheiler“ Bruno Gröning hier seinen Hamburger Stützpunkt im Haus seines Anhängers des Kaufmanns Richard Westphal. Viele Menschen pilgerten dorthin, weil sie glaubten, allein durch seine Anwesenheit geheilt zu werden.
Gröning hatte großen Zulauf, da viele Menschen in dieser Zeit nach dem Krieg nach Halt suchten. Er stand jedoch vor Gericht, nachdem ein lungenkrankes Mädchen unter seiner Behandlung starb und ein jugendlicher Diabetiker ins Koma fiel, weil er auf Grönings Rat hin kein Insulin mehr nahm. Seine Tätigkeit wurde daraufhin verboten. Gröning selbst starb mit 53 Jahren an Krebs.
Station 15: Bahnhof Wandsbek
Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke entstand 1865 das Bahnhofsgebäude, das ursprünglich symmetrisch angelegt war. Der linke Flügel wurde nach dem Krieg nicht originalgetreu wieder aufgebaut.
Seit dem Mittelalter gab es regen Handelsverkehr zwischen Hamburg und Lübeck, doch der Transport über Sandwege war mühsam. Die Bahn sollte ursprünglich durch das Zentrum Wandsbeks führen, doch Carstenn setzte den südlichen Verlauf durch und erhielt Entschädigungszahlungen für die benötigten Grundstücke. Für den Verkauf seiner Villengrundstücke war der nahe Bahnanschluss ebenfalls ein Vorteil.
Da die Pferdebahn nach Hamburg jedoch viel häufiger fuhr, wurde die Bahnstrecke bald hauptsächlich für den Güterverkehr genutzt. Erst 1897 erhielt Wandsbek eine elektrische Straßenbahn, und erst 1962 wurde das Zentrum an die U-Bahn angeschlossen.
